Sofa-Gottesdienst mit Pfarrer Robin Banerjee anlässlich seines 20-jährigen Dienstjubiläums:
Sehen Sie hier den Sofagottesdienst zu meinem Dienstjubiläum vom 25.06.2025 (1:32 h):
Hier folgt nun der Gemeindebriefartikel zum Jubiläumsgottesdienst verfasst von Gerd Theißen:
„Wort und Tat gehören zusammen“
Der Sofa-Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Schwanenberg hat mittlerweile eine mehrjährige Tradition. Dass dieses besondere Format seit Beginn in Schwanenberg so beliebt ist, hat seinen Grund sicher darin, dass die Besucher im „Interviewteil“ des Gottesdienstes viel Neues über Leben und Wirken der Sofa-Gäste erfahren. Die Antworten geben unter anderem Auskunft über das Selbstverständnis bezüglich der Berufe oder der besonderen Tätigkeiten der Gäste, die teils innerhalb der Gemeinde leben oder außerhalb. Besonders interessant ist es, wenn Menschen auf dem Sofa sitzen, die man oft in der Gemeinde sieht, und über die man plötzlich Überraschendes erfährt.
So erging es sicher vielen Gottesdienstteilnehmern am Sonntagmorgen, den 25. Mai, als unser Gemeindepfarrer Robin Banerjee als Gast vor vollbesetzten Bänken auf dem Sofa saß. Bislang war er immer der Interviewer – jetzt war er selbst derjenige, der sich den Fragen stellte.
Interviewt wurde er durch Paul Landmesser aus Genhof, der vor gut zwanzig Jahren als Presbyter mit darüber entschieden hatte, dass Robin Banerjee Pfarrer in Schwanenberg wurde.
Eingeleitet wurde der Gottesdienst durch den Schwanenberger Kirchenchor. Des Weiteren begleiteten Tim Hocks mit Gesang und Keyboardspiel und Niels Kohlen an der Gitarre den Verlauf des Gottesdienstes.
Für viele sicher freudig überraschend war, dass Pfarrer Marc Jansen den Gottesdienst leitete. Pfarrer Jansen war vor wenigen Jahren Vikar in Schwanenberg und ist seit 2023 Pfarrer der Evangelischen Friedenskirchengemeinde in Troisdorf. Pfarrer Jansen führte formal, aber auch mit persönlichen und amüsanten Worten in Bezug auf Pfarrer Banerjee in den Gottesdienst ein.
20-jähriges Dienstjubiläum
Natürlich hatte es einen besonderen Grund, dass dieses Mal Pfarrer Banerjee selbst auf dem Sofa saß und von der gewohnten Position als Frager zum Befragten wechselte. Immerhin ist Robin Banerjee in diesem Jahr zwanzig Jahre evangelischer Pfarrer in Schwanenberg und Vorsitzender des Presbyteriums – eine so lange Zeit fortwährend ohne Wechsel eine Gemeinde zu leiten, ist schon eine Besonderheit. Mittlerweile können viele junge Menschen in der Gemeinde, die heute um die dreißig Jahre alt sind, sagen: Pfarrer Banerjee war eigentlich immer schon da!
Dennoch waren die Gottesdienstteilnehmer gespannt auf die Fragen, die Paul Landmesser an Robin Banerjee stellte.
Bereits mit der ersten Frage an Pfarrer Banerjee wurde es grundsätzlich: „Warum bist du Pfarrer geworden?“ Das hatte zwei Hauptgründe, so Pfarrer Banerjee. „Ich hatte als Jugendlicher immer schon Lust, etwas mit Menschen zu machen. Ich wollte nicht irgendwo festsitzen, sondern ich wollte immer in Kontakt mit Menschen sein. Das ist mir immer sehr leichtgefallen, mit Menschen zu reden auf Menschen zuzugehen und sie zu begeistern. Ich war auch immer unter Menschen – abends immer weg, die Schule war zweitrangig. Ich war bei der Tanzsportgemeinschaft in Erkelenz. An der Schule habe ich viel Theater gemacht. Und ich war auch Schülersprecher. Und es war eigentlich immer die Lust da, vor Menschen zu sprechen.“
Als weiteren Grund nannte Robin Banerjee seinen Glauben an Gott. Der war für ihn von Kind an „vollkommen selbstverständlich“. Es ging auch nie darum, ob er „genug glaube“, um den Beruf als Pfarrer zu wählen. Ihm wurde innerhalb der Familie vielmehr schon als Kind ein Urvertrauen in Gott mitgegeben, sodass es für ihn nie Zweifel gab. Gleichwohl hatte er auch in der späteren Schulzeit im Unterricht erfahren, dass es viele unterschiedliche Entwicklungen im Glauben, in der Kirche und in der Auslegung der Bibel gab. Er sah darin auch eine große Freiheit. All dies bestärkte Robin Banerjee darin, Pfarrer zu werden. „Und heute bin ich froh, dass ich das gemacht habe“, so sein Bekenntnis.
Wenn Gott in der Bibel erscheint, so Banerjee, dann passiert immer das Mysterium Tremendum und das Faszinosum, also das, was einerseits erschüttert und erstaunen lässt und andererseits das, was einen fesselt und anzieht. Und wenn er seinen Beruf beschreiben sollte, dann würde er sagen, dass genau das auch seine Tätigkeit ausmacht. Es gebe immer so viel Faszinierendes, aber auch Erschütterndes.
Und dann braucht er auch schon mal Menschen, die ihn wieder aufbauen, zum Beispiel seine Ärzte, die dann schon mal sagen: „Setzen Sie doch auf ihr Gottvertrauen.“ Oder auch Gemeindeglieder, die ihn bei einem gemeinschaftlichen Beisammensein mal an die Seite nehmen oder ihm Briefe schreiben.
Anfang in Schwanenberg
Begonnen hatte seine Tätigkeit in Schwanenberg vor zwanzig Jahren, als die Pfarrstelle in der Gemeinde vakant war. Er übernahm mit anderen Pfarrern und Pfarrerinnen zunächst die Vertretungsaufgaben. Dazu zählten unter anderem die Leitung von Gottesdiensten und der Konfirmandenunterricht.
Bereits einige Monate später bat ihn das Presbyterium, er solle doch eine Bewerbung für die Pfarrstelle in Schwanenberg abgeben. Und das habe er dann auch gemacht.
Allerdings war Robin Banerjee seinerzeit noch zu jung, um eine Pfarrstelle zu übernehmen. Aber die Schwanenberger sagten: „Wir warten auf Dich!“ Und zwar eineinhalb Jahre. O-Ton Banerjee: „Es hat einfach gepasst – bis heute!“
Teils schwierige Aufgaben
Als er seine Arbeit in Schwanenberg begann, gab es noch diverse Abhängigkeiten gegenüber höheren kirchlichen Institutionen. So gab es zum Beispiel das Erbpachtland in der Gemeinde. Das Geld ging aber an den Kirchenkreis. Das wollte das Presbyterium zusammen mit Robin Banerjee ändern. Es musste mit vielen Leuten geredet und diskutiert werden. Am Ende schaffte man es tatsächlich, dass die Erbpachteinnahmen ausschließlich in Schwanenberg bleiben. „Das war ein Riesenschritt“, so Robin Banerjee.
Weitere große Aufgaben waren der schrittweise Ausbau der Kindertagesstätte und die Gründung des Fördervereins zur Erhaltung der kirchlichen Gebäude in Schwanenberg. Aber auch der Bau und die regelmäßige Nutzung des Backes am Pastorat sind ein gutes Beispiel für gemeinschaftliche Aktivitäten.
„Das war alles nur möglich,“ so Banerjee, „weil sich immer Menschen gefunden haben, die sagten: Da machen wir mit.“ All das könne man nur mit einem Plan, mit Ruhe und Geduld machen. Und man müsse die Sachen immer optimistisch angehen.
Aktive Gemeinde
Wichtig sei auch die Lebendigkeit in der Gemeinde. Das sehe man schon an den Abkündigungen im Gottesdienst, die immer auf die vielen Veranstaltungen in der Gemeinde hinweisen. „Wieder ganz schön lang geworden“, meinte Marc Jansen augenzwinkernd im Vorgespräch mit Robin Banerjee. Aber das mache die Gemeinde aus. „Wort und Tat gehören zusammen!“, so Banerjee. Für die vielen Aktivitäten sei die Gemeinde sogar überregional bekannt.
Paul Landmesser ergänzte, Robin Banerjee sei ja ein öffentlicher Mensch. Man höre ihn im WDR-Radio und lese über ihn in der Tageszeitung. Auffallend seien für Landmesser die Begriffe: Beteiligung, Beziehung und Innovation.
Diese könne man nach Auffassung von Robin Banerjee zusammenfassen unter dem Begriff „Gemeindeaufbau“. Also wie kann eine Gemeinde lebendig bleiben? Dazu gehöre, Menschen einzubeziehen und auch neue Projekte zu erfinden. Beziehungen aufbauen und Kontakte aufrechterhalten gehören ja zur Seelsorge. Man trifft die Leute, sitzt mit ihnen zusammen oder feiert mit ihnen. Und man begleitet sie bei wichtigen Lebensstationen, wie Sterbefällen, Hochzeiten, Taufen oder der Konfirmation. Und wo Beziehung gelingt, könne man die Menschen vielleicht auch dazu bringen, sich an Projekten zu beteiligen. Dabei stelle sich immer die wichtige Frage, wo können die Menschen in gemeinschaftliche Aktivitäten eingebunden werden? Das beruhe aber immer auf Gegenseitigkeit – man müsse die Menschen auch an sich heranlassen.
Pflicht und Kür
„Und hat das auch etwas mit Glauben zu tun?“, war die folgende Frage an Robin Banerjee. Da habe er seine eigene Theorie. Martin Luther habe gesagt: „Du kannst den Glauben nicht machen, sondern der Glaube entsteht – durch Gott, durch den Geist oder durch Worte.“ „Ich würde sagen, auch durch Räume, wo der Geist wirken kann“, so Banerjee. Luther habe gefragt: „Was können wir Mensch tun, um zu glauben? Dessen Antwort war: Hören.“ Banerjee würde sagen: „Man kann hören, aber auch etwas selbst machen.“ Und man könne andere Leute wiederum daran partizipieren lassen. Räume öffnen, eine gute Atmosphäre schaffen. „Und ab und zu etwas Neues erfinden, sonst würde es langweilig werden“, so Banerjee. Sein Mentor habe einmal gesagt, man müsse bei der Gemeindearbeit natürlich die Pflicht berücksichtigen, aber auch die Kür, um lebendig zu bleiben.
Beim Einstellungsgespräch wurde Robin Banerjee vor zwanzig Jahren gefragt, wie er sich die Jugendarbeit in Schwanenberg vorstelle. Die Antwort war unter anderem: mit Theaterprojekten mit „frisch Konfirmierten“ – worunter man sich seinerzeit wenig vorstellen konnte. Nach den ersten Überlegungen zur Umsetzung meldeten sich Norbert Karsch und Dietmar Landmesser, die meinten: „Das geht technisch auch professioneller!“ Seither wurden unter der Regie von Robin Banerjee sechzehn Inszenierungen mit ausgefeilter Ton- und Lichttechnik auf die Bühne gebracht – insgesamt etwa 70 Aufführungen. Dabei haben die Jugendlichen die Erfahrung gemacht, sich vor einem großen Publikum zu äußern. Diese Erfahrung halte er für sehr wichtig, so Banerjee.
Weitere Tätigkeiten
Die Pfarrstelle in Schwanenberg ist „nur“ eine Dreiviertel-Stelle. Dies sieht vor, dass Robin Banerjee weitere Aufgaben außerhalb der Gemeinde übernimmt. Das sind vor allem Lehrtätigkeiten an Schulen. Eine weitere Frage war, was ihm diese Tätigkeit bedeute. Zwei oder drei Mal in der Woche unterrichtet Banerjee am Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz. Diese Arbeit schätze er sehr, weil er wiederum mit vielen jungen Menschen in Kontakt sei. Diese hielten in „fit“ hinsichtlich Sprache und Denken. Die jungen Leute entwickelten sich ja auch in den Jahren weiter, stellten neue Fragen an den Glauben. Und dies helfe ihm auch selbst weiter, junge Menschen in Glaubensfragen zu verstehen. Überdies übernahm Robin Banerjee auch eine Lehrtätigkeit als Dozent im Predigerseminar für angehende Pfarrer.
Lokomotive für neue Ideen
Anregungen für das Zusammenleben in der Gemeinde zu geben, gehört zum Selbstverständnis von Robin Banerjee. Das verleitete Paul Landmesser dazu, Robin Banerjee mit einer Lokomotive für neue Ideen zu vergleichen, deren Tempo man kaum hinterherkäme. Nicht von ungefähr kam auch die Frage, wann eine neue Idee auch eine gute Idee sei für Schwanenberg. Banerjee räumte ein, dass nicht jede Idee zündet, einige seien auch Kappes. Mancher Gedankenblitz verlasse nicht einmal das Gemeindebüro. Andere schaffen es dagegen ins Presbyterium, wo man noch damit beschäftigt ist, die alten Ideen abzuarbeiten. Aber eine „gute Idee“ sei für ihn, wenn alle Lust haben mitzumachen.
Umtrunk im Gemeindehaus
Nach dem Gottesdienst war zum Umtrunk ins Gemeindehaus geladen. Pfarrer Banerjee dankte hier allen Anwesenden für die Glückwünsche und für ihr Kommen, neben den vielen Gemeindegliedern auch Freunden und Weggefährten. Und er dankte für die Möglichkeit, über viele Jahre hinweg in der Gemeinde in den verschiedensten Bereichen, die zu seinem Amt gehören, tätig sein zu können – und auch für den Rückhalt, den er stets seitens der Familie hatte. Marlene Klotz gratulierte Robin Banerjee anschließend als Vertreterin des heutigen Presbyteriums zum 20-jährigen Dienstjubiläum.
Manch einer, der am Sofa-Gottesdienst teilgenommen hatte, wird wohl sagen können: So kennen wir unseren Pfarrer Robin Banerjee, aber dies und das war mir neu!
Gerd Theißen

Sofa-Gottesdienst mit Pfarrer Robin Banerjee anlässlich seines 20-jährigen Dienstjubiläums:
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