Lieblings-Film-Szenen von Robin Banerjee in der Haltestelle am 26.05.2026

27.5.2026

PL

Nach einem heißen Sommertag im Mai trafen sich die Frauen der Haltestelle zu einem „heißen“ Filme-Abend im Gemeindehaus-Kino, sogar mit Popcorn. Pfarrer Robin Banerjee hatte ...

Nach einem heißen Sommertag im Mai trafen sich die Frauen der Haltestelle zu einem „heißen“ Filme-Abend im Gemeindehaus-Kino, sogar mit Popcorn. Pfarrer Robin Banerjee hatte sich darauf vorbereitet, zehn seiner Lieblingsszenen aus großen und wichtigen Kinofilmen vorzustellen.

In seiner Vorbemerkung stellte er neben der sogenannten Hoch-Kultur (Klassische Kunst, Literatur, Oper, Klassische Musik und Schauspiel) die steigende Bedeutung der Filmkunst heraus. Er habe in seiner subjektiven Auswahl eine Reihe von Filmen ausgesucht, die über ihren Kinoerfolg hinaus als hohes Kulturgut bewertet werden müssten.

Eine einzelne Filmszene sei immer auch etwas aus dem Zusammenhang gerissen und müsse hinführend erklärt werden. Mit seiner Auswahl wolle er Filme zeigen, die inhaltlich – vielleicht sogar religiös – interessant seien, ästhetisch schön oder technisch verblüffend oder emotional ergreifend. Allemal solle der jeweilige Ausschnitt Lust auf den Film machen.

So interessant wie die Ausschnitte sich im Gemeindehaus „fast“ in Kinoqualität präsentierten, so hörenswert waren Robins Einführungen, um unsere Aufmerksamkeit auf besondere Aspekte zu lenken.

Mit den ersten beiden Einspielern zeigte er Beispiele dafür, dass häufig in großen Kinofilmen religiöse Themen eingewoben sind, manchmal unterschwellig in den dargebotenen Bildern. In der Sterbeszene des Abenteuer- und Historienfilms „Gladiator“ von Ridley Scott werde das Thema „Auferstehung“ mit all seinen Phasen: Letzte Worte – Tod – Trauer – Abschied – ihm zu Ehre weiterleben – Auferstehung – Leben nach dem Tode – Licht – durchlaufen. Grandios, auch wenn man den musikalischen Eindruck hinzunimmt.

Oder im Trailer von „Man of Steel“ werde die Figur des „Supermans“ mit Jesus gleichgesetzt. Der Film nutze die Wucht der religiösen Sprache und die Parallelen im Werdegang von Superman und Jesus in ihrer fulminanten Bild-Sprache erfolgreich zu Werbezwecken.  (Der eigentliche Film sei eher fade.)

Als nächstes präsentierte Robin aus dem Fantasyfilm „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“ von Peter Jackson die Flucht der Gefährten durch eine atemberaubend gefährliche Höhle. Die Gruppe muss sich ihren Dämonen entgegenstellen, symbolisiert von einem computeranimierten Monster, das offensichtlich die Attribute Satans trägt. Der Zauberer und Anführer der Gruppe stellt das Monster auf einer schmalen Brücke mit den Worten: „Du kommst hier nicht vorbei!“ Genau mit diesem Satz ruft Paulus seine Gemeinde in Ephesos auf, der „List des Teufels“ zu widerstehen (Eph 6, 10-17). Wieder ein Beispiel für religiöse Bezüge im Film.

Zwei Filme dürften laut Banerjee auf einer Liste kulturell wertvoller Filme nicht fehlen: „Gandhi“ (Regie: Richard Attenborough) mit dem Thema Gewaltlosigkeit, Toleranz und Zusammenleben der Religionen  und „Schindlers Liste“ (Regie: Steven Spielberg) mit dem Thema Holocaust/Auschwitz. Bei beiden Filmen hob Banerjee die herausragende Bildersprache hervor, mit der unterschwellig wichtige Botschaften vermittelt werden.

In der Holocaust-Verfilmung wird eine zentrale Aussage aus dem jüdischen Talmud zitiert: „Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte.“  Die Zuhörerinnen sind sich einig, dass man beide Filme noch einmal vollständig ansehen müsste.

„Avatar I“ präsentierte uns Robin als ein Beispiel für modernste Blockbuster. Der Mensch trifft hier auf eine fremde Fantasiewelt, vollständig am Computer erschaffen. Aber auch in modernsten Filmen werden teils „alte Muster“ gezeigt. Die ausgewählte Szene beschreibt, wie der Held in einem Initiationsritus einen wilden Drachen zähmen und als Flugtier erobern muss. Dies ist nichts anderes, als wenn früher in einem Western ein Junge sein Pferd selbst zureiten muss oder ein Indianer zur Mann-Werdung eine Nacht zusammen mit einem Wolf in einer Höhle verbringen muss.

Es gäbe noch drei weitere Ausschnitte, die man hier ausführlicher ansprechen könnte.

Robin Banerjee spricht über die Filme überaus vielschichtig. Seine Beiträge machen Lust auf das Medium Film, in dem er sich auskennt, wie kaum ein Zweiter.

Er macht die Zuhörer auf Bilder aufmerksam, die mit filmischen Mitteln teilweise großartige Abläufe beschreiben. Etwa – letztes Beispiel – die Parabel einer Geburt. In „Gravity“ von Alfonso Cuaron kehrt eine Astronautin nach jahrelangem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit wieder auf die Erde zurück und landet im Wasser. Nach der Befreiung aus ihrem Raumanzug erreicht sie den Strand und muss dort mühevoll wieder das Stehen und Gehen erlernen. Was für Bilder!

Es war ein wunderbarer Abend, der uns sehr unterhaltsam die Faszination Film näherbrachte.

Astrid und Paul Landmesser