Zeitsprünge

Man stelle sich vor: Wir schreiben das Jahr 2014. Deutschland ist Weltmeister.

In einem leeren Pastoratshof in der Gemeinde Schwanenberg weht ein laues Sommerlüftchen, ansonsten ist es still. Die geplante Überdachung für verschiedene Veranstaltungen wurde mangels Geldern wieder gestrichen. Seitdem die evangelischen Gemeinden für die Substanzerhaltung der Gebäude gesetzlich selbst aufkommen müssen, gehen alle verfügbaren Einnahmen vollständig in den Erhalt der Gebäude. Die Gelder aus der Kirchensteuer allein reichen gerade für den Standard-Betrieb und normalen Unterhalt. Die in Kultur, Charme und Tradition so alte und erfahrene Gemeinde Schwanenberg kämpft nun aufgrund der alten Gebäude und deren Substanzerhaltung sprichwörtlich um die Eigenständigkeit. Spielraum im Haushalt für kreative Projekte wie Public Viewing, Theaterprojekt, Weihnachtsdorf, Adventskalender gibt es nicht, weil alle Festangestellten und Ehrenamtler sich voll darauf konzentrieren die Bausubstanz zu retten, denn die Unabhängigkeit der Gemeinde muss erhalten bleiben, wenn man nicht noch mehr Individualität verlieren will.

Ein neuer Zeitsprung: Neun Jahre weiter, wir haben den 3.11.2023.

Die Gemeinde hat ihre Unabhängigkeit verloren. Die erforderlichen Rückstellungen konnten nicht mehr gebildet werden. Töpferstube und Eine-Welt-Laden sind schon lange Geschichte, und die Räume dienen als Abstellkammer für die alten Stühle aus dem Gemeindehaus. Das Gemeindehaus ist kalt, nass und renovierungsbedürftig und dient schon lange nicht mehr als Treff zum Kaffee, Männerkochen, für die „Haltestelle“, die Chöre und anderen Veranstaltungen. Die Kirchenfenster sind dürftig ausgebessert, eine Jugendscheune gibt es schon seit 5 Jahren nicht mehr und auf der Außenfläche der Kita steht immer noch dasselbe Klettergerüst seit 25 Jahren. Mittlerweile ist es gesperrt, weil es dem heutigen Sicherheits-Standard nicht mehr entspricht.
Nun wache ich auf. Schweißgebadet schaue ich hoch und stelle freudig fest, dass es sich nur um einen Albtraum gehandelt hat.

Wir haben zwar immer noch den 3.11.2023, aber seit 2009 hat der Förderverein der ev. Gemeinde Schwanenberg, haben es die damals knapp 500 Mitglieder allein nur durch ihre jährlichen Mitgliedsbeiträge geschafft, die gesetzlich vorgeschriebene Substanzerhaltungspauschale selbst aufzubringen. So wurde die Grundlage geschaffen, dass wir selbstbestimmt bleiben, neue Kirchenfenster haben, Jugendscheune und Gemeindehaus eine stete Anlaufstelle für alle sind, Theateraufführungen machen können und vieles mehr …

Aber seit den Anfangsjahren 2009/2010 bröckeln die Mitgliederzahlen. Altersbedingt durch Versterben und durch Umzüge sind wir deutlich geschrumpft. Andererseits ist die Gemeinde in den letzten Jahren alleine durch die Neubaugebiete deutlich gewachsen. Deshalb muss jetzt etwas getan werden. Wir brauchen mehr und neue Mitglieder, um weiter die Unabhängigkeit der Gemeinde zu sichern.

Für den Förderverein
Sven Prollius, 1. Vorsitzender