Ein Blick zurück.
Ich schaue aus dem Bullauge. Von außen schlägt die Gischt gegen die Scheibe. Die Fähre ist voll. Drinnen ist es warm und draußen braut sich ein Sturm zusammen. Wir haben eine Fähre früher nehmen müssen und somit abrupter abreisen, weil für ganz Norddeutschland eine Sturmwarnung herausgegeben worden ist. Durch das Bullauge sehe ich, wie wir den Hafen passieren und Spiekeroog hinter uns lassen. Der Sturm macht mir keine Angst, denn ich kann an wundervolle 12 Tage zurückdenken …
… Früh am Morgen geht die Sonne über Schwanenberg auf. Der Bus ist da! Alle sind im Bus. Alle? Nein, drei Teamer fahren in einem Bulli mit dem Material für die Freizeit neben dem Bus her. Denn wir passen gar nicht alle in den Bus, da wir diesmal so viele Teilis dabeihaben, wie nie zuvor. Wahnsinn! Nach einer staureichen Anfahrt und einem sehr knappen Boarding an der Fähre mit dem Gepäck beginnt die große Überfahrt nach Spiekeroog. Überall auf der Fähre sieht man 50 dunkelblaue Kappen – eine Invasion. Die Schwanenberger kommen auf die Insel. Unser Spaziergang zum evangelischen Jugendhof in der prallen Sonne zeigt den Teilis bereits ein paar malerische Ecken unseres Zuhauses für die nächsten zwei Wochen. Angekommen am Ziel überwältigt einen jedes Mal die großartige Aussicht über die Dünen hin zum Meer – Weite und Schönheit.
Wie üblich ist eine unserer ersten Aktionen immer das Gekörnte und das kühle Nass von unten zu spüren. Dort können es einige Teilis gar nicht abwarten und sind bereits mit ihren Jeans in der relativ warmen Nordsee. Schleunigst danach beziehen wir unsere Zimmer, damit man die nassen Klamotten wechseln kann. In 4er- bis 6er-Zimmern finden die Teilis in ihrer WG auch neue Freunde und kreative Namen für ihr neues Zuhause. Natürlich darf am ersten Abend einer Freizeit nicht das „klassische“ Kennenlernen fehlen. Mit neuen interessanten Spielen lernen sich die Teilis noch besser untereinander kennen und entdecken bereits erste Gemeinsamkeiten.
Am nächsten Tag beginnt der Schock für einige Teilis – die Dienste … Denn anders als in anderen Jugendherbergen haben wir im Ev. Jugendhof ein eigenes Haus für uns, wo wir unser frisch gekochtes Essen per Handkarren holen können. Somit müssen die Teilis nicht nur den Tisch selbst decken, sondern auch spülen oder den Tisch abwischen. Dort bietet ein Teamer von uns gerne praktische AGs an zur Thematik des Tische-Abputzens.
Für diejenigen, die noch nie mit auf Freizeit gewesen sind, muss man kurz erklären, dass die Schwanenberger Ferienfreizeit nichts für Langweiler ist, denn wir bieten 12 Tage lang volles Programm an. Vormittags, nachmittags, abends und ab und zu auch nachts gestalten wir Programmpunkte für die gesamte Gruppe. Wenn wir gerade mal keinen Programmpunkt haben, dann wird gegessen oder geschlafen.
Deswegen teilen sich die Teilis in zwei große Wettkampfgruppen – und in vier kleine Wettkampfgruppen auf, die jeweils über die Freizeit Punkte sammeln können, um als erstes Team die Freizeit zu „gewinnen“ und Spielesieger zu werden. In diesem Jahr kämpfen Spaghetti Bolognese gegen Döner Kebap in unterschiedlichsten Disziplinen.
Duelle und Turniere finden in Form verschiedener Spiele statt. Hier nur eine kleine Auswahl an Spiele-Highlights der Teilis: Völkerballturnier, Sandburgenbau, Eier-Flugwettbewerb, Non-Sens-Diskussion, Capture-The-Flag, Teamer-Fangen, GUGS, Spieleabende, Dorfrallye, NGS (Nachtgeländespiel), Kickerturnier usw. Natürlich gibt es auch tolle Programmpunkte mit kreativen Inhalten wie die individuelle farbliche Gestaltung von T-Shirts. Somit können die Teilis als Andenken selbst gebatikte T-Shirts mit nach Hause nehmen und haben eine tolle langlebige Erinnerung an die Freizeit.
Ein großes Highlight ist die Kutterfahrt, bei der unser Seebär so nah an die Nachbarinsel fährt, dass wir die Robben und die Heuler sehen können. Außerdem fischen wir gemeinsam am Grund des Wattenmeers und finden kleine Seesterne, Krabben, Schollen und vielleicht auch das ein oder andere Ungeheuer. Sogar Kleinigkeiten zum Probieren sind dabei. Normalerweise ist die Kutterfahrt ein Programmpunkt, bei dem dem ein oder anderen das Frühstück noch einmal hochkommt. Diesmal zum Glück nicht! Trotzdem gibt es ein paar Tage lang eine kleinere Magen-Darm-Epidemie in unserem Haus. Doch nach mehreren Jahren Corona ist man darauf vorbereitet und durch den Einsatz des Superhelden „Desinfektion“ kann die kleine Malaise schnell eingedämmt werden.
Die Teilis werden in dieser Zeit wirklich zu einer Gruppe wie noch nie dagewesen. Die gemeinsame nächtliche Nachtwanderung mit Sternengucken und einem Gitarren-Live-Konzert am Strand schmiegt die Teilis zu einer Einheit zusammen. Krönender Abschluss der gemeinsamen Teamleistung ist das Nachtgeländespiel, bei dem man den Störtebeker-Schatz wiederfinden muss. Und zum Glück finden sich dieses Jahr alle Gruppen wieder heil in der Jugendherberge ein. Die ein oder andere Gruppe nimmt zwar einen längeren Weg, dennoch kommen alle an. Diese unfassbare Gruppendynamik zeigt sich auch auf dem Bergfest. Alle Teilis feiern nach dem leckeren Grillen stundenlang zusammen in unserer Inseldisco.
Der letzte Abend kommt immer zu schnell. Traditionell können die Teilis sich gegenseitig kleine Nachrichten und Abschiedsworte schreiben. Beim letzten Abendabschluss fließt auch die ein oder andere Träne und alle sind traurig, dass die Zeit zu Ende geht.
Spannende Spiele, gemeinsame Erlebnisse, schöne Augenblicke und spektakuläre Erinnerungen (auch ans Zähneputzen) bleiben aber immer in unserem Gedächtnis – wir hoffen, den ein oder anderen bei der nächsten Ferienfreizeit wiederzusehen.
Ich schaue aus dem Bullauge … ich sehe die Wellen und den Sturm, aber ich sehe auch 12 Tage voller Freude, Spaß, Action und Spannung. Ich will zurück nach Spiekeroog.
Gerrit Roessink
