– Abschluss der 5. Schwanenberger Musiktage
Wieder hatten sich viele Zuhörer zum letzten Konzert der aktuellen Musiktage eingefunden. Im Unterschied zu den beiden vorangegangenen Konzerten fühlte sich diesmal eine andere Zielgruppe angesprochen. Pfarrer Robin Banerjee begrüßte das Duo EigenArts bestehend aus der Chansonette Waltraut Barnowski-Geiser und der Jazz-Pianistin Beate Theißen, bekannt aus vielen regionalen Auftritten, in denen aktuell das dritte Programm „Leben.Lieben.Menschsein“ präsentiert werde. Er wies auf den Schwanenberger Podcast „Sapperlot“ hin, bei dem man die beiden Musikerinnen näher kennenlernen könne.
Das Duo startete den ersten, eher besinnlichen und nachdenklichen Teil mit dem Stück „Alt zum Glück“. In diesem Lied setzten sich Waltraut Barnowski-Geiser und Beate Theißen auf poetische und teils humorvolle Weise mit dem Älterwerden auseinander. Der Text greift typische Aspekte auf, etwa die Akzeptanz von Veränderungen, den Gewinn an Freiheit und Gelassenheit („Man muss nicht mehr alles, aber man kann vieles“) und riskiert einen Blick nach vorn mit Neugier.
Der Text spielt mit der Doppeldeutigkeit des Wortes „Glück“. Es geht nicht nur darum, im Alter glücklich zu sein, sondern auch um das Glück, überhaupt alt werden zu dürfen, mit der Aussicht: „Es wird ein Meisterstück!“
Im nächsten Stück trug Waltraut Barnowski-Geiser im Sprechgesang ein Rilke-Gedicht vor. „Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest“ ruft dazu auf, das Leben vertrauensvoll anzunehmen, ähnlich wie ein Kind, das sich beschenken lässt. Beate Theißen untermalt den Gesang sehr passend mit einem Präludium von Johann Sebastian Bach; also „Bach meets Rilke“.
Zwischen melancholischen Momenten und augenzwinkernder Leichtigkeit erleben die Zuhörer ein Programm, das berührt, zum Denken anregt und begeistert.
„Einfach sein“ ist wieder ein eigenes Lied. Es wirbt dafür, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein, ohne Leistungsdruck, Komplexität oder ständige Planung. Es beschreibt einen Zustand der inneren Ruhe, des bewussten Nichts-Tuns, des Loslassens. „Nur für mich sein. Nicht für Dich, für ihn, für Euch sein.“ Geradezu heilsam.
In „The Rose“, erstmalig gesungen von Bette Midler, besingt Waltraut Barnowski-Geiser in einer deutschen Fassung die Rose als ewiges Sinnbild der Liebe; für alles Leichte und Schöne, für die Leidenschaft, das Feuer, für alles Schwere und den Kummer. Denn: „Wenn Du denkst, du bist verlassen, blüht im Frühjahr eine Rose.“
Beate Theißen hat sich von ihrer Partnerin dazu inspirieren lassen, eigene Stücke am Klavier vorzutragen. So erklangen mit „Coronatage, Ideen vom 27. Juli 2020“ und „Hoffnung“ zwei kleine sehr melodische Klavierstücke von ihr.
Die nächsten beiden Stücke sind sehr eng mit den Musikerinnen verbunden. Denn beide haben ihr ganzes Berufsleben mit Kindern gearbeitet.
Das Stück „Kinderhände“ geht auf ein Zitat von Albert Einstein zurück. Daraus leitet sich der Refrain des Chansons ab: „Solang noch ein Kind auf dieser Welt nicht glücklich ist, solang noch ein Kind an dieser Welt zerbricht, solang noch ein Kind mit seiner Hand ins Leere geht, solang macht Großes keinen Sinn.“
Mit „Timmy“ thematisieren die Musikerinnen die hilflose Sicht eines Kindes auf seine alleinerziehende Mutter, die über Kindererziehung, Beruf, Haushalt und Geldsorgen unter der alltäglichen Last fast zusammenbricht und ihre Energie, ihren Mut und letztlich auch ihr Lachen verliert. Auch bei diesem eher traurigen Lied honorieren die Zuhörerinnen die tiefgründigen Liedaussagen mit respektvollem Beifall.
„Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros (1975) gibt einen kleinen Ausblick auf den schwungvollen zweiten Teil. Die Konzertbesucher lassen sich nicht lange bitten und singen freudig den Refrain mit.
Mit dem eigenen Stück „FAKE“ beschäftigen sich die beiden Musikerinnen mit den tiefgreifenden Veränderungen durch Fake-News. Sie verbreiten sich rasant, wirken oft täuschend echt und können politisches Verhalten beeinflussen, zu extremeren Ansichten führen und im Extremfall sogar Menschenleben gefährden. Wenn gezielt Meinungen manipuliert werden, Hass geschürt wird und das Vertrauen in Demokratie, Medien und Wissenschaft untergraben wird, führe das zum Verlust des Vertrauens in seriöse Institutionen, Wissenschaft und etablierte Medien und letztlich zur Spaltung der Gesellschaft. Der Appell des Liedes: Nicht unreflektiert Weiterschicken, sondern: „Lass uns reden!“
Den Abschluss des nachdenklichen ersten Programmteiles bildete „Steh auf – sei Mensch“. Dieses Lied ist inspiriert von Margot Friedländer, die in einem ihrer letzten Interviews auf die Frage, was sie den Menschen mit auf den Weg geben wolle, flüsterte: „Sei Mensch!“
Nach der Pause startete das Duo mit einem Liebeslied aus einem ihrer älteren Programme. Es hat den Refrain: „Wenn ich mich noch einmal verliebte, dann in die Liebe.“
Mit einem weiteren Liebeslied verneigt sich das Duo EigenArt vor Edith Piaf. Sie präsentierten das klassische Chanson „Non, je ne regrette rien“ mit deutschen Textanteilen von Waltraut Barnowski-Geiser; sehr akzentuiert gesungen, zu einer wundervollen Begleitung von Beate Theißen.
Es folgen nun einige bekannte „Oldies“, die Melodien sind sofort wieder im Kopf präsent. Der auf die Leinwand projizierte Text ermuntert zum Mitlesen und Mitsingen. Mich überrascht heute, wie tiefsinnig die Texte schon damals waren.
Wir hörten von Dunja Reiter (1991) „An jenem Tag“ mit dem Refrain: „An jenem Tag, mein Freund da haben wir gemeint, die Zeit bleibt steh’n allein nur für uns zwei.“
Und gegen Ende von Udo Jürgens (1967) „Und immer, immer wieder geht die Sonne auf“ und von Reinhard Mey (1972) „Gute Nacht Freunde“. Wunderbare Lieder, gerne gehört und mitgesungen.
Höhepunkte des Konzertes waren die seit langem bekannten lokalen Gassenhauer des Duos EigenArts.
Mit dem „Positiv-Song“ forderten die Musikerinnen auf, sich bei allen Misslichkeiten des Lebens zunächst einmal positiv zu orientieren und – verdammt – zu entspannen. Im „Rheinischen Samba-Geflüster“ wurde das dörfliche Klatsch- und Tratsch-Bedürfnis auf die Schüppe genommen. Lautstark kam dabei der rhythmische Refrain aus dem Publikum. „Da leck dat do mit dem op die Äät, dat dat dat deet. Ömmer et Fridas, pratsch op die Äät.“ Waltraut Barnowski-Geiser singt, wirbelt mit ihren Armen, fordert Lautstärke und gibt genaue Einsätze. Das Lied wird zum beglückenden Event.
Ein besonderer Vortrag wird seit Jahren mit dem Duo EigenArts verbunden. Das abschließende Lied „Billa, lass uns tanzen“ stellt die Zerwürfnisse um den Braunkohleabbau in der Erkelenzer Börde in den Fokus. Auch hierbei sangen die Zuhörer gerne den Refrain mit: „Billa lass uns tanzen, bis der Bagger kommt. Solange sich unsre Füße drehn`, bleibt die Erde steh`n.“ Das eigentlich traurige Lied endete mit dem Schrei „B I L L A“.
Die Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Kirchenbänken und sie feierten die beiden Künstlerinnen mit einem rauschenden Schlussapplaus. Ellen Nierhaus bedankte sich mit zwei dicken Blumensträußen bei Waltraut Barnowski-Geiser und Beate Theißen. Astrid Landmesser beendete die 5. Schwanenberger Musiktage. Sie sagte Dank allen teilnehmenden Musikerinnen und Musikern sowie allen Helfenden und allen Organisationskräften, die eine solche Veranstaltung durch ihr teilweise unauffälliges Tun erst möglich machten.
Paul Landmesser

– Abschluss der 5. Schwanenberger Musiktage
Wieder hatten sich viele Zuhörer zum letzten Konzert der aktuellen Musiktage eingefunden. Im Unterschied zu den beiden vorangegangenen Konzerten fühlte ...














